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Pilates für Anfänger:innen – muss ich dafür eigentlich sportlich sein?

Drei Frauen bei einer Pilates-Gruppenstunde; im Vordergrund balanciert eine Teilnehmerin auf einem Bein.

„Ich würde Pilates ja gerne ausprobieren, aber ich bin nicht besonders sportlich.“ Diesen Gedanken kennen viele, bevor sie zum ersten Mal auf einer Pilatesmatte liegen.

Vielleicht hast du schon länger keinen Sport gemacht. Vielleicht fühlst du dich unbeweglich. Vielleicht siehst du Übungen, bei denen andere scheinbar mühelos Beine, Arme und Rumpf gleichzeitig koordinieren – und fragst dich, wie das jemals funktionieren soll.

Die gute Nachricht ist: Du musst Pilates nicht können, bevor du mit Pilates beginnst. Genau dafür ist ein Einstieg da.

Pilates beginnt nicht bei der perfekten Bewegung

Pilates ist ein systematisches Körpertraining. Es geht um Kraft und Stabilität, aber ebenso um Beweglichkeit, Koordination, Atmung und eine bewusste Ausführung von Bewegungen.

Gerade am Anfang bedeutet das zunächst einmal: kennenlernen.

Wie bewege ich mein Becken? Wie fühlt sich meine Wirbelsäule an? Kann ich eine Bewegung langsam und kontrolliert ausführen? Wo spanne ich unnötig an? Und was verändert sich, wenn ich meine Aufmerksamkeit bewusster auf meinen Körper richte?

Dabei muss nichts von Beginn an perfekt aussehen. Bewegungen dürfen gelernt werden und manchmal braucht der Körper ein paar Wiederholungen, bis etwas, das zunächst völlig ungewohnt erscheint, plötzlich verständlicher wird.

Muss ich dafür fit sein?

Nein. Natürlich fordert Pilates den Körper. Muskeln arbeiten, Bewegungen werden kontrolliert ausgeführt und mit zunehmender Erfahrung können Übungen anspruchsvoller werden.

Aber du musst keine bestimmte Fitness mitbringen, um beginnen zu dürfen. Ein Training lässt sich an unterschiedliche Voraussetzungen anpassen. Manche Übungen werden vereinfacht, Bewegungsumfänge verändert oder Pausen gemacht.

Gerade für Anfänger:innen geht es deshalb nicht darum, möglichst schnell möglichst schwierige Übungen zu schaffen. Es geht darum, eine gute Grundlage aufzubauen.

Und wenn ich unbeweglich bin?

Auch Beweglichkeit ist keine Eintrittsvoraussetzung. Menschen bringen sehr unterschiedliche Körper mit. Manche sind von Natur aus beweglicher, andere stabiler. Manche haben viel Bewegungserfahrung, andere beginnen nach längerer Pause wieder damit.

Pilates ist kein Wettbewerb darum, wer am weitesten nach vorne kommt oder das Bein am höchsten heben kann. Viel interessanter ist die Frage: Wie fühlt sich die Bewegung in meinem Körper an?

Vielleicht wird ein Bewegungsablauf mit der Zeit leichter. Vielleicht bemerkst du, dass du an einer Stelle weniger ausweichst. Vielleicht entwickelt sich mehr Kontrolle oder du kannst einen Bereich bewusster ansteuern.

Solche Veränderungen sind oft unspektakulär und gerade deshalb wertvoll.

Warum langsame Bewegung manchmal ziemlich fordernd ist

Pilates sieht von außen nicht immer anstrengend aus. Viele Übungen sind klein, kontrolliert und ruhig und dann beginnt man selbst.

Plötzlich soll der Bauch stabilisieren, während die Beine sich bewegen. Gleichzeitig möchtest du weiteratmen, die Schultern nicht hochziehen und dich daran erinnern, was eigentlich mit deinem Becken passieren soll.

Das kann am Anfang durchaus herausfordernd sein. Nicht weil du etwas falsch machst, sondern weil dein Körper gerade lernt, mehrere Dinge bewusster miteinander zu koordinieren. Mit der Zeit werden Abläufe vertrauter. und irgendwann muss der Kopf nicht mehr bei jedem Detail mitdenken.

Atmen gehört dazu

Atmung spielt im Pilates eine wichtige Rolle. Sie begleitet die Bewegung und kann dabei helfen, Bewegungsabläufe bewusster wahrzunehmen.

Auch hier gilt: Du musst beim ersten Mal nicht gleichzeitig perfekt atmen, stabilisieren und jede Bewegung exakt ausführen. Es darf sich entwickeln. Manchmal ist es schon viel, überhaupt zu bemerken, dass man während einer anstrengenden Übung plötzlich die Luft anhält. Wahrnehmen ist der erste Schritt.

Pilates bedeutet nicht, gegen den Körper zu arbeiten

Wenn eine Bewegung heute nicht möglich ist, muss sie nicht erzwungen werden. Vielleicht braucht es eine kleinere Variante. Eine andere Ausgangsposition. Eine Pause.

Der eigene Körper ist nicht der Gegner, der überwunden werden muss. Für mich geht es im Pilates vielmehr darum, ihn besser kennenzulernen.

Wo brauche ich Stabilität? Wo darf Bewegung entstehen? Wo arbeite ich mit zu viel Kraft? Und wo fehlt mir vielleicht noch die Verbindung zu einem bestimmten Bereich?

Je genauer diese Wahrnehmung wird, desto bewusster kann auch Bewegung werden.

Darf ich Fehler machen?

Unbedingt. Eine neue Bewegung muss zunächst gelernt werden. Vielleicht verwechselst du rechts und links. Vielleicht merkst du erst nach drei Wiederholungen, dass du die Schultern bis zu den Ohren gezogen hast. Vielleicht fühlt sich eine Übung anfangs einfach merkwürdig an.

Das gehört dazu. Pilates ist keine Aufführung. Es gibt kein Publikum und keine Punkte für perfekte Bewegungen. Wichtiger ist, neugierig zu bleiben und wahrzunehmen, wie sich dein Körper mit der Zeit verändert.

Was brauche ich für meine erste Pilatesstunde?

Vor allem Kleidung, in der du dich gut bewegen kannst, eine Turnmatte, ein Handtuch und vielleicht ein bisschen Neugier.

Du musst keine Übungen kennen und dich auch nicht vorab „fit machen“. Gerade wenn du neu beginnst, ist es Aufgabe des Trainings, dir die Grundlagen Schritt für Schritt näherzubringen.

Fragen dürfen gestellt werden. Pausen dürfen gemacht werden. Und Bewegungen dürfen unterschiedlich aussehen, weil auch Körper unterschiedlich sind.

Du musst nicht erst anfangen können

Wir verschieben Bewegung manchmal, weil wir glauben, zunächst eine bestimmte Voraussetzung erfüllen zu müssen. Erst fitter werden. Erst beweglicher werden. Erst ein bisschen trainieren. Dabei entsteht vieles von dem, was wir dafür vermeintlich schon brauchen, erst durchs Tun.

Pilates kann ein Weg sein, Kraft und Beweglichkeit zu entwickeln. Vor allem aber kann es eine Möglichkeit sein, den eigenen Körper bewusster kennenzulernen. Nicht mit dem Anspruch, sofort alles zu können.

Sondern mit der Bereitschaft, anzufangen. Denn der erste Schritt ist nicht, gut in Pilates zu sein. Der erste Schritt ist, sich auf die Matte zu legen.